Gespräch mit Allgemeinmediziner Dr. Norbert Möllers über Mut und Motivation
Möglichst viele mutige Männer zu finden, die sich einer Darminspektion unterziehen: So lautet seit September das Ziel. Um dies zu erreichen, haben sich die Lippstädter bisher so einiges einfallen lassen. Es gibt viele Unterstützer von Seiten der Bürger und der Ärzteschaft. Wenn es um die erste Beratung über Möglichkeiten der Krebsvorsorge geht, haben vor allem die Hausärzte die Nase vorn. Sie sind Vertrauenspersonen und haben maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidungen ihrer Patienten. Der Allgemeinmediziner Dr. Norbert Möllers begeht im nächsten Jahr sein 30-jähriges Praxisjubiläum in Lippstadt. „Vorsorgemuffel“ sind auch ihm nicht fremd.
Sehr geehrter Herr Dr. Möllers: Gehen Männer insgesamt anders mit dem Thema Vorsorge um?
Ja, nach meinen Erfahrungen schon. Zum Arzt zu gehen, ohne sich „krank‘“ zu fühlen, passt ihnen häufig nicht, es ist ihnen lästig, kostet ihre wertvolle Zeit, außerdem vertrauen sie gerne auf ihre Wahrnehmungsfähigkeit: wird schon nichts sein, müsste ich doch merken.
Wie verhält es sich mit der Darmspiegelung? Müssen Sie hier konkret Ängste oder Vorbehalte abbauen? Wenn ja, welche?
Ängste weniger, Vorbehalte ja: Ist das nötig? Wie lange dauert das? Ich hab doch keine Beschwerden etc.
Warum ist gerade die Darmspiegelung so wichtig, wenn es um Darmkrebs geht?
Hier kann man eine bösartige Krankheit im Stadium „0“ erkennen und beseitigen, das ist eigentlich sensationell. Eine vergleichbare Chance haben weder wir Ärzte noch, und das ist ja viel wichtiger, die Patienten bei einer anderen häufigen Erkrankung.
Mit der Aktion „Mutige Männer“ sollen die Männer aus der Reserve gelockt werden. Es wird quasi ihr männlicher Kampfgeist angesprochen. Braucht es wirklich Mut?
Nein, natürlich braucht es keinen Mut. Obwohl nach meinen Erfahrungen Frauen vernünftiger an das Thema Vorsorge herangehen als Männer und sich auch weniger von zu erwartenden Unbequemlichkeiten, vielleicht auch leichten Schmerzen, abhalten lassen: Mut und Tapferkeit sind sicher nicht unbedingt erforderlich; es ist vielmehr eine Sache der Einstellung, der Prioritäten, des adäquaten Umgangs mit möglichen und verhinderbaren Krankheiten, aber auch der Verantwortung seinen Angehörigen gegenüber.
Warum unterstützen Sie die Aktion? Was ist Ihnen wichtig?
Etliche meiner Patienten, die ihr Leben und ihre Gesundheit der rechtzeitigen Darmspiegelung verdanken, sind auf jeden Fall Grund genug, die Aktion zu unterstützen.
Befragungen haben ergeben, dass Ehefrauen und Hausärzte den größten Einfluss auf die Gesundheitsentscheidungen der Männer haben. Ist das auch Ihre Erfahrung?
Wahrscheinlich stimmt das. Hausärzte genießen oft einen ziemlich hohen Vertrauens-vorschuss. Gerade, wenn über viele Jahre eine stabile Bindung zum betreuten Patienten gewachsen ist. Und wenn der Hausarzt überzeugt ist, darf er diese Schiene auch mit gutem Gewissen nutzen, um seine Patienten zu überzeugen. Der Einfluss der Ehefrauen auf Gesundheitsentscheidungen lässt sich am ehesten an der Einleitung einer Konsultation: „Meine Frau schickt mich…“ ableiten, gerne und oft gehört, jedenfalls deutlich öfter als „Mein Mann schickt mich...“
Haben Sie einen persönlichen „Motivations-Trick“?
Wenn sachliche Überzeugungsarbeit nicht fruchtet, frage ich jetzt in der Adventszeit schon mal, ob „mann“ vielleicht noch ein Weihnachtsgeschenk für die Ehefrau braucht, eins, das nicht einmal was kostet…. Und aus Stirnfalten wird ein männlich-planendes Lächeln!






